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Unterrichtsstrukturen

Geöffneter Unterricht

"Geöffneter Unterricht" ist ein Oberbegriff für viele Organisationsformen des Unterrichts. Vom Prinzip her ermöglicht der geöffnete Unterricht den SchülerInnen ein hohes Maß an Selbstbestimmung und -verantwortung. Sie können im Rahmen des vorgeschriebenen Curriculums wählen, wann, wo, wie und mit wem sie an einem Thema arbeiten. „Geöffnet“ ist der Unterricht, bei dem sich Klassenräume, die sozialen Verbände, die methodischen Zugänge und sogar die Themen öffnen.

Werkstattunterricht

Eine weitere Form des Unterrichts ist der Werkstattunterricht. Hier hat die Lehrkraft - bzw. in der Regel ein ganzes Fachteam – Materialien vorbereitet, die überall im Klassenraum präsent und verfügbar sind. Die SchülerInnen erhalten zum Arbeiten eine Übersicht über die vorhandenen Materialien und Aufgaben (z. B. Experimente, Arbeitsblätter, das Vertonen eines Gedichtes, Vorbereiten eines Rollenspiels) und können nun frei wählen, wann sie welche Aufgaben in welcher Reihenfolge mit wem bearbeiten. Die Kinder übernehmen Verantwortung für ihr Lernen, der Unterricht geht weg vom Lehren hin zum Lernen. Die Lehrkraft belehrt nicht mehr, sondern organisiert, hilft individuell, berät und coacht ihre SchülerInnen.

Das ChefInnensystem

In den Lerngruppen, in denen das ChefInnensystem im Rahmen des Werkstattunterrichts eingeführt ist, hat jedes Kind eine „ChefInnenaufgabe“ – zum Beispiel das Betreuen einer Materialsammlung oder die Kontrolle der dazugehörigen Aufgaben. In der Regel sind ein Junge und ein Mädchen gemeinsam Chef und Chefin für einen Bereich.

Es gibt sehr unterschiedliche Bereiche, in denen die Kinder ihre Zuständigkeiten wahrnehmen. Ein Raumchef und eine Raumchefin bestimmen beispielsweise, welche Kinder am Unterrichtsende fegen - gleichzeitig werden sie selbst vielleicht von den KüchenchefInnen zum Abwasch eingeteilt. So sind alle Kinder in der Position, Anweisungen und Aufgaben zu verteilen - und auch anzunehmen.

Ganz am Anfang wird das Kind entweder von der Lehrkraft oder aber von einem anderen Kind (das für diese Aufgabe schon ChefIn war) in die ChefInnenaufgabe eingeführt. Je nachdem, wie die ChefInnenaufgabe ausgestaltet ist, muss das Kind dafür sorgen, dass alle dazugehörigen Materialien ordentlich weggeräumt werden, es beantwortet den anderen Kindern Fragen zum Material oder zu einer Aufgabe und/oder kontrolliert Lösungen.

Die Vorteile des Systems liegen auf der Hand: Das Kind lernt sehr schnell, Verantwortung für sich und andere zu übernehmen, Dinge verständlich zu erklären, stolz auf sich zu sein und auch, sich bei MitschülerInnen Hilfe zu holen. Die ChefInnenaufgaben wechseln regelmäßig, damit sich die Kinder auch immer wieder neuen Herausforderungen stellen.

Das Beispiel Mäxchen

Schülerinnen und Schüler planen ihr Lernen selbst

Hier bekommen Sie eine kleine Einführung in einen möglichen Lernschrittablauf am Beispiel von Mäxchen Mustermann:

1. Mäxchen schreibt am Montagmorgen in seinem Logbuch auf – eventuell auch gemeinsam mit der Lehrkraft – welche Ziele er sich für die Woche setzt und wie er seinen Erfolg überprüfen kann.

2. Mäxchen geht dann zum Ordner „Messen“, der in jedem Klassenraum für die Jahrgänge 4/5/6 vorhanden ist, und nimmt sich die entsprechende Checkliste zu dem Teilthema. Diese Checkliste heftet er in sein Logbuch. Das ursprünglich leere Logbuch wird über mehrere Jahre hinweg laufend ergänzt. Die Checkliste ist so aufgebaut, dass in der linken Spalte die zu erwerbende Kompetenz steht und auf der rechten Seite die möglichen Aufgaben, die man zum Erwerb der Kompetenz bearbeiten kann. Das können Arbeitsblätter sein, Spiele, Exkursionen in der Schule, Rollenspiele, Konstruktionsaufgaben und vieles mehr. Das, was ein Kind schon kann, muss es nicht erneut bearbeiten, sondern kann gleich seine Kompetenz beweisen.

3. Mäxchen weiß, dass er die ersten beiden Dinge auf der Checkliste schon beherrscht, und erledigt dazu keine Aufgaben. Die anderen Aufträge erledigt er jedoch – bei manchen Kompetenzen vollständig, bei anderen nur einzelne; denn er merkt, „das habe ich schnell drauf“. Da seine Mitschülerin Paula am selben Teilthema arbeitet, erledigen sie einige Aufgaben gemeinsam.

4. Am Freitag schreibt Mäxchen in sein Logbuch, was er alles geschafft hat -  und trägt auch gleich ein, was er sich für die nächste Woche vornimmt.

5. Mäxchen hat in der darauf folgenden Woche die Checkliste abgearbeitet und meldet sich zum Test an – Paula schreibt auch mit.

6. Der Test zeigt, dass Mäxchen zwei der Kompetenzen doch noch nicht beherrscht – deswegen holt er sich dazu noch einmal zusätzliche Aufgaben. Der nächste Test fällt prima aus, und er sucht sich ein neues Teilthema.

7. Mäxchen geht wieder zum Ordner und holt sich eine neue Checkliste…